Kreativität im Unterricht fördern

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Als Lehrkraft ist es deine Aufgabe, Schüler*innen relevante Inhalte und Kompetenzen für ihr weiteres Leben zu vermitteln. Ein Aspekt davon sollte sein, ihre Kreativität im Unterricht zu fördern. Denn kreatives Denken wird in einer zunehmend digitalen Welt immer wichtiger. Wer es beherrscht, kann leichter Lösungen für unvorhersehbare Probleme finden. Hier erfährst du, wie du kreatives Denken neben der Wissensvermittlung im Unterricht einbinden und fördern kannst.

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Kreativität im Unterricht fördern 💡

Fördere das kreative Denken deiner Schüler*innen

In einer zunehmend digitalen Welt wird die Fähigkeit, „outside the box“ zu denken, immer wichtiger. Damit ist gemeint, innovative Lösungen für Probleme und Aufgaben zu finden, die nicht sofort auf der Hand liegen. Gerade in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz und neue technische Errungenschaften unseren Alltag prägen, ist es entscheidend, dass Kinder und Jugendliche Kompetenzen erwerben, um mit den dadurch entstehenden Herausforderungen umzugehen.

Kreativität als Schlüsselkompetenz

Kreativität zu fördern, bedeutet, Schüler*innen Raum für freies und unkonventionelles Denken zu geben. Dadurch lernen sie,

  • sich mit bestehenden Ansätzen kritisch auseinanderzusetzen,
  • alternative Lösungswege zu entwickeln,
  • eine eigene Meinung zu äußern und
  • darauf aufbauend einfallsreiche Ideen zu präsentieren.

Kreativität ermöglicht es, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Auch wenn wir nicht genau wissen, wie die Welt in 50 Jahren aussieht: Kreatives Denken bleibt die Grundlage, um Lösungen für bislang unbekannte Probleme zu finden.

Kreativität im Unterricht: Schaffe eine positive Lernatmosphäre

Nur in einem unterstützenden Umfeld können Schüler*innen die Fähigkeit entwickeln, unkonventionelle Ideen und Lösungen zu entdecken. Als Lehrkraft kannst du die Schüler*innen beim kreativen Denken unterstützen und leiten. Dazu gehört, individuelles Lernen zu ermöglichen und die Schüler*innen zu ermutigen, dranzubleiben.

Classroom Management

Ein effektives Classroom Management schafft eine förderliche Lernumgebung und trägt maßgeblich dazu bei, dass sich Schüler*innen wohlfühlen und ihr Potenzial entfalten können.

Eine durchdachte Raumgestaltung mit thematischen Bereichen kann das Lernen inspirieren und strukturieren. So schaffst du gleichzeitig Raum für kreatives Denken. Zum Beispiel könnten Leseecken, Experimentierstationen oder Kreativbereiche eingerichtet werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen der Schüler*innen gerecht zu werden. Eine flexible Anordnung der Stühle und Tische ermöglicht sowohl individuelle als auch kooperative Arbeitsformen.

Die Lehrer-Schüler-Beziehung und der Umgang in der Klassengemeinschaft sind weitere wichtige Punkte. Angst stoppt jegliches kreatives Denken. Das Klassenzimmer sollte ein Ort sein, an dem sich die Schüler*innen wohlfühlen und neugierig sind. Indem du deinen Schüler*innen vermittelst, dass Fehler eine Chance sind, um zu wachsen, stärkst du ihr Selbstvertrauen und ihre Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen.

Mehrere Lösungswege zulassen

Kreatives Denken entfaltet sich vor allem dann, wenn Schüler*innen die Möglichkeit haben, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und neue Ansätze zu finden. Indem du mehrere Lösungswege zulässt und sie zum Andersdenken ermutigst, schaffst du die notwendige Offenheit für Kreativität.

Entsprechend dem Growth Mindset sollten falsche Antworten nicht abgewertet werden. Ganz im Gegenteil: Sie sind eine wertvolle Gelegenheit für weiteres Nachdenken. Als Lehrkraft solltest du diesen Prozess moderieren und deine Schüler*innen motivieren, weiter am Ball zu bleiben.

Kreativität im Unterricht: Beispiele für die Umsetzung

Kreativität auf Knopfdruck gelingt selten. Wenn du das kreative Denken deiner Schüler*innen fördern möchtest, musst du ihnen dafür ausreichend Zeit und Möglichkeiten geben. Kreatives Denken ist ein Prozess, der geübt werden muss – und das am besten ohne Zeitdruck. Wir haben ein paar Ideen, wie du kreatives Denken im Unterricht unterstützen kannst.

Kreativität im Unterricht fördern 💡
Abbildung 1: Kreativität im Unterricht: Beispiele für kreative Lernmethoden (eigene Darstellung)

Mithilfe von kreativen Lernmethoden sorgst du nicht nur für Abwechslung im Unterricht. Sie fördern ebenfalls die Konzentration deiner Schüler*innen, ermöglichen bessere Lernerfolge und schulen ihr kreatives Denken. Ein paar Beispiele sind Brainstorming, Think-Pair-Share oder Assoziationsspiele.

Brainstorming ist eine bewährte Methode, um kreative Prozesse anzuregen. Indem Schüler*innen ihre Ideen in Form von Präsentationen, Plakaten oder an der Tafel visualisieren, können sie Zusammenhänge besser verstehen und leichter erfassen. Das Visualisieren unterstützt die Strukturierung und ermöglicht es den Lernenden, ihre Gedanken klarer zu kommunizieren. Diese Methode eignet sich besonders gut, um unterschiedliche Perspektiven zu einem Thema zu sammeln und neue Lösungsansätze zu entwickeln.

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Weitere Vorteile entdecken

Mithilfe der Lernmethode Think-Pair-Share setzen sich die Schüler*innen sowohl allein als auch in der Gruppe mit einem Thema auseinander. Die Sozialform der Gruppenarbeit bietet eine hervorragende Möglichkeit, voneinander und miteinander zu lernen. Durch den Austausch entstehen oft neue Ideen, die aus den unterschiedlichen Perspektiven der Gruppenmitglieder hervorgehen. Gruppenarbeit fördert nicht nur die Kreativität, sondern auch wichtige soziale Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit und Empathie.

Assoziationsspiele sind eine einfache, aber effektive Methode, um kreatives Denken zu trainieren. Ein Beispiel ist ein Ballspiel, bei dem die werfende Person ein Wort nennt, das beim Fangen wiederholt und um ein neues, assoziiertes Wort ergänzt wird. So entsteht eine Wortkette. Wichtig ist, dass die Spieler*innen nicht zu lange nachdenken und das neue Wort nicht zu ähnlich zum vorherigen ist. Solche Spiele fördern schnelles, assoziatives Denken und machen Spaß.

Unser Tipp: Eine weitere Möglichkeit, die Kreativität der Schüler*innen zu fördern, ist es, sie die Problemstellung selbst definieren zu lassen. Anstatt konkrete Fragen vorzugeben, erhalten die Lernenden die Aufgabe, die Fragestellung eigenständig zu entwickeln. Dieser Ansatz regt sie dazu an, von vornherein kritisch zu denken und Informationen zu hinterfragen.

Freie Arbeitsphasen

Freiarbeit ist eine Methode des offenen Unterrichts und bietet zahlreiche Vorteile für die Entwicklung deiner Schüler*innen. Diese Lernmethode fördert nicht nur die Selbstständigkeit, sondern auch die individuelle Entfaltung und intrinsische Motivation.

In Freiarbeitsphasen können Schüler*innen eigenständig arbeiten und eigene Wege finden, sich Inhalte anzueignen. Dieser Ansatz stärkt ihre Fähigkeit, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen, und fördert zugleich ihr Selbstbewusstsein.

Ein wichtiger Aspekt für kreatives Denken ist die Individualität. Freie Arbeitsphasen ermöglichen, dass die Schüler*innen in ihrem eigenen Tempo arbeiten und den Lernprozess nach ihren Interessen, Stärken und Bedürfnissen gestalten können. Diese Offenheit regt ihre Kreativität an und macht das Lernen zu einem aktiven und dynamischen Prozess.

Experimente und Gestaltungsaufgaben

Mithilfe von Experimenten und Gestaltungsaufgaben kannst du das Lernen praxisnah und spannend gestalten. Sie fördern nicht nur das Verständnis für die jeweiligen Inhalte, sondern regen auch die Neugier und das kreative Denken der Schüler*innen an.

In naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik, Mathematik, Chemie und Biologie bieten Experimente eine hervorragende Möglichkeit, theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden. Durch selbstständiges Experimentieren und die Suche nach Lösungen lernen die Schüler*innen, naturwissenschaftliche Phänomene besser zu verstehen und ihre Problemlösungsfähigkeiten zu schärfen. Diese aktive Herangehensweise macht komplexe Inhalte greifbarer und weckt zugleich das Interesse an den Fächern.

Im Fach Deutsch oder in Fremdsprachen kann das gemeinsame Lesen von Texten durch die Vergabe von Dialogrollen bereichert werden. Indem die Schüler*innen in verschiedene Rollen schlüpfen und Texte lebendig gestalten, verbessern sie nicht nur ihre Sprachkenntnisse, sondern trainieren auch Ausdrucksfähigkeit, Interpretation und soziale Kompetenzen. Diese Methode fördert zudem das Verständnis für die Handlung und Charaktere des Textes, während sie das Lernen interaktiver und unterhaltsamer gestaltet.

Pisa Studie 2022: Kreatives Denken im Unterricht ausbaufähig

Im Rahmen der PISA Studie 2022 wurde zum ersten Mal untersucht, welche Rolle kreatives Denken im Schulkontext spielt. Diese Sondererhebung wurde im Juni 2024 veröffentlicht. Das Ergebnis spricht dafür, dass es in Deutschland deutliche Verbesserungspotentiale gibt.

Die Jugendlichen wurden zu kreativem Denken im Unterricht befragt. Nur 50 Prozent geben an, dass ihre Lehrkräfte sie dazu ermutigen, einzigartige und innovative Ideen zu entwickeln. Hinsichtlich der Umsetzung denken 53 Prozent, dass sie im Unterricht nicht ausreichend Zeit haben, um originelle Lösungen zu erarbeiten. Nur 59 Prozent sagen, dass Lehrkräfte die Kreativität der Jugendlichen schätzen.

Ein weiteres Ergebnis: Neue Ideen zu entwickeln, ist lediglich für 56 Prozent der deutschen Schüler*innen befriedigend. Nur 52 Prozent glauben, dass Kreativität eine Fähigkeit ist, die man verändern kann.

Fazit: Fördere im Unterricht die Kreativität deiner Schüler*innen

Kreativität ist eine essenzielle Kompetenz, die Schüler*innen dabei hilft, flexibel und lösungsorientiert auf die Herausforderungen einer zunehmend digitalen Welt zu reagieren. Durch gezielte Förderung können Lehrkräfte nicht nur die Kreativität ihrer Schüler*innen stärken, sondern auch deren Fähigkeit, kritisch zu denken, eigenständig zu lernen und ihre individuellen Potenziale auszuschöpfen. Die Grundlage dafür schaffen ein effektives Classroom Management und die Offenheit für neue Lösungswege. Mit Unterrichtsmethoden wie Brainstorming, Freiarbeit oder Experimenten kannst du kreatives Denken im Unterricht integrieren.

FAQs zu Kreativität im Unterricht

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