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Dilemma im Ref-Alltag / Blogbeitrag "Nigela"

von Admin

Ihr kennt bestimmt dieses youtube-Video, das vor den Herbstferien die Runde machte. Das mit dem kleinen Kind, das Baggerfahrer werden will. Ni bekam es gleich dreimal zugeschickt. Auf diese Weise möchte ihr Bekanntenkreis sie anscheinend auf die Sinnlosigkeit ihres Berufes aufmerksam machen. Lesen und Schreiben? Wozu!?

Das Video erinnert an die Diskussion, die Ni während des Refs mit einem Achtklässler führte. Er hielt Geschichte für sinnlos und war überzeugt davon, nichts davon jemals zu brauchen. Er wollte Fußballerwerden. Erfolgreicher natürlich. Offenbar vertritt er die Meinung, man lebe nur für seinen Beruf und dürfe (wenn in diesem Rahmen schon nicht erwünscht) kritisches Denken auch in der Freizeit nicht praktizieren. Zu viel Wissen ist ja auch nicht schön. Und manchmal echt frustrierend. Nichts von Machtverhältnissen und Ungerechtigkeiten zu wissen, ist bestimmt bequemer und versaut einem nicht die Schulwoche. Probleme hat man in der achten Klasse schließlich selbst genug, wieso sich auch noch mit denen der Gesellschaft auseinandersetzen (und vor allem mit längst vergangenen)! Der besagte Achtklässler ließ jedenfalls Herrschaftsformen, politische Bündnisse und Kriegsursachen an sich abprallen. Bestimmt auch eine wichtige Kompetenz. Ni war – wie so häufig im Ref – jedenfalls mal wieder ratlos. Sie gehört tendenziell nicht zu den Leuten, die behaupten, Uniinhalte brächten nichts für den Lehrberuf. Aber auf wirklich entscheidende Situationen kann so eine Institution einen halt nicht vorbereiten. Zugegeben: Der Vater in dem Video (zurück zum Baggerthema) hat eindeutig bessere Argumente als Ni damals. Zu ihrer Verteidigung muss allerdings hinzugefügt werden, dass eventuell auch sie mit einem Siebenjährigen fertiggeworden wäre. Mit beratungsresistenten Jugendlichen kann sie hingegen nicht umgehen. Jedenfalls nicht pädagogisch wertvoll. Noch nicht!

Doch diesen Umstand will sie (leider) nicht hinnehmen. Über das geklammerte Leider haben Nigela neulich ausführlich diskutiert. Ja, es ist schön, dass wir für unseren Beruf alles geben und dem (irrsinnigen?) Glauben anheimhängen, tatsächlich etwas bewegen zu können. Andererseits ist es life-work-balancemäßig furchtbar. Bestimmt haben einige Lehrer/innen einen längeren Feierabend,weil sie sich nicht bis in den Morgengrauen motivierende Arbeitsaufträge für heterogene Massenveranstaltungen ausdenken, um auch den/die letzte Nörgler/in zu überzeugen. Sie haben vielleicht auch entspanntere Wochenenden, weil sie sich nicht permanent so in den pubertären Weltschmerz ihrer Schützlinge hineindenken, dass sie nicht ruhig schlafen können, weil sie unablässig Pläne schmieden, wie sie diese vor größeren Katastrophen bewahren können. Manche von ihnen waren nie auf Studienfahrt und vermeiden seit Jahren geschickt das Unterrichten in Oberstufenklassen, denn beides ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Andere lehnen Klassenleitungen konsequent ab, denn auch diese verlangen ihnen mehr ab, als der reine Fachunterricht. Um Konfrontationen mit Eltern und Fachkollegium aus dem Weg zu gehen, unterrichten sie Jahr für Jahr das, was alle schon immer unterrichten – Innovationen sind tabu. Denn die sind zeitaufwendig und sorgen für Reibungen. Die sind ebenfalls zeitaufwendig. Und mehr als das: Sie sind nervenaufreibend und hin und wieder regelrecht verstörend. Wieso gibt es eigentlich umso mehr Ärger, je mehr Mühe man sich macht?

Nigela gehören, wie ihr vielleicht auch, zu denjenigen harmoniebedürftigen Personen, die es (wieder „leider“) allen rechtmachen wollen. Kollegium, Elternschaft, Schulleitung, Strebern, angehenden Fußballstars und Baggerfahrern, Modetussis, Rowdies. Allen. Alle sollen Nigelas Unterricht gutheißen. Und der muss deshalb natürlich immer inhaltlich wie didaktisch-methodisch durchgestylt und topvorbereitet werden. Das ist zeitaufwendig. Und lohnt sich nicht immer. Nicht selten muss man sich sogar Hohn und Spottgefallen lassen, weil man ja so idealistisch ist. Nigela fragen sich aber wiederum, wie und wozu man diesen Beruf ganz ohne Idealismus ausüben kann?!

Liebe Reffis, wie so oft ist hier ein Mittelweg gefragt! Wie weit kann der eigene Anspruch zurückgeschraubt werden, um einerseits noch zufriedenstellend erfüllt zu werden und sich andererseits aber weniger selbstzerstörerisch auszuwirken? Leider ist das wieder die Stelle, an der wir nicht das gewünschte Patentrezept liefern können. Nur den Anstoß, rechtzeitig darüber nachzudenken, wo die eigenen Grenzen liegen – in beide Richtungen.

Das Video: Junge will Baggerfahrer werden

Tipp aus der Fit4Ref-Redaktion:

Dieser Blogbeitrag wurde von den beiden Buchautorinnen "Ni" und "gela" verfasst. In dem Buch "Mit Nigela durchs Referendariat" findet ihr noch viele weitere spannende Geschichten rund um das Referendariat.

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