Durchhalten

Das Referendariat ist eine Zeit, in der man neben fachlichen Qualifikationen auch unter Beweis stellen muss, dass man dem Druck psychisch gewachsen ist. Gerade Letzteres ist manchmal eine große Herausforderung. In diesem Artikel gibt Dir eine externe Redakteurin Tipps, die Dich unterstützen sollen, diese Zeit durchzuhalten und gut zu überstehen.

Die Organisation

Die erste goldene Regel für den Lehrerberuf und das Referendariat ist die Organisation. Das fällt nicht immer leicht (mir schonmal gar nicht), hilft aber enorm, um den Alltag zu bewältigen. Damit wir uns richtig verstehen: Der normale Alltag ist schon schaffbar, dummerweise kommen dabei aber immer die Unterrichtsbesuche von hinten angeschlichen und wollen auch noch geschafft werden. Bevor Du eine Unterrichtseinheit startest, solltest Du eine Planung der Einheit vornehmen. Dabei solltest Du schon einmal die Themen der Stunden mit den inhaltlichen und prozessbezogenen Zielen festlegen. Hast Du das geschafft, plant sich die Einzelstunde im normalen Alltag viel leichter und außerdem hast Du für die Besuche einen Teil des Entwurfes fertig. Das hat mir schon immer viel Stress genommen, da der Entwurf so bereits angefangen war und »nur« noch Analysen geschrieben werden mussten. Nimm Dir auch ausreichend Zeit, um die Analysen zu schreiben, jeden Tag ein bisschen und nicht sechs Seiten am Wochenende vor dem Besuch.

Unterrichtsmaterial

Je nachdem wie viel Geld Du investierst, wie viele Materialien Du zur Verfügung gestellt bekommst und wie viel Kontakt Du zu Mitanwärtern/ Referendaren hast, musst Du mehr oder weniger Material erstellen. Für den Alltag sollte man sich Strategien zurechtlegen, wie man sich Arbeitsblätter, Texte, Bilder etc. besorgt. Durch mein Fach Deutsch, muss ich viel Material erstellen. Und ich garantiere Dir: Nach dem dritten selbst geschriebenen Text hast Du die Nase voll. Es ist übrigens auch gar nicht so einfach sich eine einigermaßen interessante Geschichte auszudenken, in der viele Adverbiale vorkommen. Hilfreich sind diverse Foren, auf denen Du Materialien hoch- und runterladen kannst. Bei denen musst Du das Material immer kritisch hinterfragen und gegebenenfalls anpassen.

Für Sachtexte (die man auch super für Grammatikeinheiten verwenden kann) empfehle ich Dir die Kindersuchmaschinen (blinde-kuh.de, helles-koepfchen.de etc) oder planet-schule.de. Hier findest Du verschiedene Artikel, die bereits in einigermaßen verständlicher Sprache geschrieben sind. Die kannst Du von der (späten) Grundschule bis zur Oberstufe verwenden. Die Texte muss man natürlich unter Umständen anpassen (nicht jedes Kind versteht jedes Wort) und kürzen, da sie meist weitaus länger als eine DIN-A 4-Seite sind. Das erleichtert die Arbeit jedoch enorm, wenn das Schulbuch mal nichts hergibt.

Weiterhin bietet Dir auch Fit4Ref eine Vielzahl unterschiedlicher Unterrichtsmaterialien kostenlos zum Download an. Ein Blick in die Datenbank »UmaDa« lohnt sich somit auf jeden Fall.

Im Übrigen sind auch Schulbücher nicht immer gut verständlich und auch die Aufgaben sollte man dabei immer genau ansehen. Ich habe mehr als einmal undurchführbare Aufgaben in Büchern gefunden.

Für Filme und Hörbücher/Hörspiele kannst Du Dir viel bei Youtube runterladen (es muss also nicht immer der teure Schulfilm sein). Bilder findest Du natürlich auf der Google-Bildersuche (Achtung! Du darfst nicht jedes Bild verwenden!).

Zeit für Dich

Die zweite wichtige Regel ist: Schaff Dir Zeit für Dich selbst!

Schnell sitzt man ewige Stunden an Entwürfen und Stundenplanungen. Dann kommen noch Dienstbesprechungen, Konferenzen, Seminare, Elternsprechtage oder Basare dazu. Erfahrungsgemäß verteilen diese sich nicht auf das ganze Jahr, sondern kommen alle gemeinsam. Ich hatte in einer Woche einmal zwei Unterrichtsbesuche, eine Dienstbesprechung und einen Modultag vom Pädagogikseminar. Das ist ziemlich hart und da fließen auch mal schnell die Tränen. Wenn Du Deine Termine sorgfältig vorher planst (siehe goldene Regel), kannst Du gut Zeit für Dich selbst herausholen. Sei es für den Netflixmarathon, lang vergessene Hobbys oder (für die ganz Vorbildlichen) Sport. Sorg dafür, dass Du auch Lichtblicke im Alltag hast und etwas für Dich tust.

Über Deine Probleme reden

Der letzte Tipp von mir ist die Schulter. Es ist immer gut jemanden zu haben, der Dich tröstet und Deinen Sorgen zuhört. In den Seminaren selbst herrscht (manchmal, nicht immer) ein gewisser Konkurrenzdruck. Natürlich will niemand zugeben, dass er etwas nicht gut gemacht hat. So wird man selten hören: »Ich hatte einen katastrophalen Unterrichtsbesuch.« Stattdessen bekommt man eher den Eindruck, dass es bei allen super läuft. Wenn Du im Seminar jemanden findest (einen echten Freund), der mit Dir gemeinsam auch mal über die Besuche meckern kann, ist das super. Wenn nicht, ist es gut, wenn Du einen Außenstehenden hast.

Und wenn alles nichts hilft: Alles hat ein Ende. Irgendwie schwubbelt man sich durch diese Zeit durch. Betrachte Deine Situation des Öfteren mit etwas Abstand. Jede schlechte Kritik kann helfen, aber nimm es nie als eine Kritik an Dir selbst auf. Du wirst Deinen Weg schon finden.