Wissenschaftliche Hausarbeit vs. Pädagogische Hausarbeit

Generell bringen die 16 verschiedenen Bildungssysteme in Deutschland nicht nur unterschiedliche Strukturen mit sich, sondern auch unterschiedliche Begrifflichkeiten. Dennoch lässt sich feststellen, dass man in der Lehramtsausbildung in der Regel sowohl im Studium als auch im Vorbereitungsdienst mit einer umfassenden, abschließenden Hausarbeit konfrontiert wird. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick die wesentlichen Merkmale herausstellen und Tipps für das erfolgreiche Verfassen oben genannter Arbeiten darlegen.

Wissenschaftliche Hausarbeit

Nachdem man sich während des Lehramtsstudiums durch diverse Seminare und eine Vielzahl an Referaten und Hausarbeiten gekämpft hat, muss man gegen Ende der universitären Phase nachweisen, dass man in der Lage ist, relevante fachwissenschaftliche Fragestellungen innerhalb einer vorgegebenen Frist im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit größeren Umfangs, methodisch fundiert und selbstständig entwickeln und untersuchen zu können.

Die Bezeichnung dieser wissenschaftlichen Arbeit hängt von der Abschlussart an der jeweiligen Hochschule ab, also davon, ob der Studiengang mit der Ersten Staatsprüfung oder dem Masterabschluss beendet wird. Während die Bezeichnung für die in der Ersten Staatsprüfung geschriebene Arbeit, schlicht „Wissenschaftliche Hausarbeit“ ist, schreiben diejenigen, die das Lehramtsstudium mit einem Masterabschluss beenden, eine Masterarbeit. Vorteilhaft hierbei ist, dass sich diese AbsolventInnen neben den Erfahrungen, die sie durch das Verfassen von Hausarbeiten erworben haben, auch auf diejenigen beziehen können, die sie im Rahmen der Bachelorarbeit gemacht haben.

Grundsätzlich unterliegt das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten speziellen Vorgaben. Darüber hinaus sollte man sich an der eigenen Hochschule darüber informieren, ob es im jeweiligen Fachbereich noch weiterführende oder spezielle Anforderungen gibt, die man beachten sollte. Dies kann und sollte man auch mit der Erstprüferin / dem Erstprüfer, die / der für die Betreuung der wissenschaftlichen Hausarbeit verantwortlich ist, besprechen.

Da die Benotung der wissenschaftlichen Hausarbeit nicht nur inhaltlichen, sondern auch formalen Kriterien unterliegt, sollten folgende im wissenschaftlichen Kontext übliche Regeln unter allen Umständen beachtet werden: 1. Klarheit, 2. Genauigkeit, 3. Übersichtlichkeit, 4. logische Stringenz und 5. wissenschaftliche Redlichkeit (z. B. Urheberrecht).

In der Regel beinhaltet eine wissenschaftliche Hausarbeit folgenden Aufbau:

  1. Titel- oder Deckblatt
  2. Inhaltsverzeichnis / Gliederung
  3. Abbildungs- / Abkürzungsverzeichnis
  4. Einleitung
  5. Wissenschaftliche Ausführungen (Hauptteil)
  6.  Fazit / Ausblick (mit Bezug zur Fragestellung)
  7. Literaturverzeichnis mit Quellenangaben, einschließlich Internet- und sonstigen Quellen
  8. Erklärung zur wissenschaftlichen Redlichkeit
  9. Anhang (z.B. Abbildungen, statistische Tabellen und Grafiken und Unterrichtsmaterialien)

Generell kann die wissenschaftliche Hausarbeit in einem der studierten Studienbereiche verfasst werden, zu welchen neben den Grund- und Bildungswissenschaften auch die Unterrichtsfächer und / oder die sonderpädagogischen bzw. beruflichen Fachrichtungen zählen. In der Regel beträgt die Bearbeitungsfrist nach Anmeldung zwölf Wochen. Da die Fristen für die Meldung, genauso wie für das Einreichen von Nachweisen im Einzelfall eng gestaffelt sein können und man sich nicht darauf verlassen sollte, dass die PrüferInnen die Arbeit umgehend bewerten kann, sollte man sich entsprechend rechtzeitig auf die formalen und inhaltlichen Voraussetzungen einstellen. Dazu gehört unter anderem die Suche nach einer geeigneten Erstprüferin / einem geeigneten Erstprüfer, einer relevanten fachwissenschaftlichen Fragestellung und der dazugehörigen Literatur.

Das Wichtigste in Kürze

  • Formalitäten klären
  • Fristen beachten
  • Bereich / Schwerpunkt auswählen
  • Betreuerin / Betreuer suchen
  • Fragestellung (und Gliederung) festlegen, Fragen klären, z.B. Praxisbezug, Literatur, Fokus, Bilder, Besonderheiten, Abgabe etc.
  • Relevante Literatur recherchieren
  • Den Fokus auf die Fragestellung legen
  • Roten Faden im Blick behalten
  • Sich täglich aufs Neue motivieren
  • Mindestens drei Tage vor Abgabe mehrfach Korrektur lesen
  • Mindestens einen Tag vor Abgabe drucken und binden lassen

Weiterführende Informationen (insbesondere Antragsunterlagen für die Wissenschaftliche Hausarbeit) findest du auf den Seiten der zuständigen Stelle im Kultusministerium oder deren nachgeordneter Behörde und im entsprechenden Lehrerbildungsgesetz.

Weiterführende Informationen (insbesondere Antragsunterlagen für die Masterarbeit) findest du auf der Seite deiner Hochschule.

Schriftliche Arbeit

In den meisten Bundesländern ist die „Schriftliche Arbeit“ Teil der Zweiten Staatsprüfung, die man nach erfolgreicher Durchführung des Vorbereitungsdienstes im Anschluss an die universitäre Phase, erwirbt. „Die pädagogische Facharbeit dient der Feststellung, ob die Lehrkraft im Vorbereitungsdienst fähig ist, die in einem schulischen Sachverhalt enthaltene pädagogische Fragestellung zu analysieren und einen pädagogischen Lösungsvorschlag zu erarbeiten.“ (HLbG, § 40a). Trotz pädagogischen Schwerpunkt unterliegt auch diese Arbeit den im wissenschaftlichen Kontext üblichen Regeln und den einzuhaltenden Formalia, wie z.B. die Einhaltung der Meldefrist.

Wesentlich für die Bewertung sind neben den formalen Anforderungen, unter anderem folgende Gesichtspunkte:

  • Liegt eine klare, problemorientierte Fragestellung mit Praxisbezug vor?
  • Handelt es sich um eine stimmige, wissenschaftsorientierte Erörterung?
  • Durchzieht sich der Fokus auf die Fragestellung wie ein roter Faden durch die gesamte Arbeit?
  • Findet die Fragestellung im Abschluss der Arbeit eine Antwort, die mit überzeugenden Schlussfolgerungen für die Weiterarbeit versehen ist?

Ähnlich, wie bei der Wissenschaftlichen Hausarbeit bzw. der Masterarbeit, hat man eine Betreuerin / einen Betreuer zur Unterstützung der Themenauswahl, respektive der Fragestellung und der Gliederung. Diese Person fungiert nach Anfertigung der Arbeit darüber hinaus ebenfalls als ErstprüferIn, so dass es empfehlenswert ist, im Vorfeld möglichst viele Fragen zu erörtern.

Laut Sachstand in der Lehrerbildung finden die schriftlichen Arbeiten im Vorbereitungsdienst in den 16 Bundesländern folgendermaßen statt (KMK, Stand: 07.03.2017):

Baden-Württemberg: Grundschule und Werkreal-, Haupt- und Realschule: Hausarbeit zu einem pädagogischen Handlungsfeld der eigenen schulischen Praxis
Gym und BS: Dokumentation einer Unterrichtseinheit oder eines Handlungsfeldes (in einer der Fachdidaktiken oder fächerübergreifend mit Bezug zu einer Fachdidaktik)
Sonderpädagogik: Hausarbeit zu einem pädagogischen Handlungsfeld der eigenen schulischen Praxis

Bayern: Mögliche Themenbereiche: Pädagogik, Psychologie; Didaktik eines der Unterrichtsfächer

Berlin: entfällt, stattdessen andere Prüfungsformen

Brandenburg: Schriftliche Hausarbeit (max. 30 Textseiten)

Bremen: Kolloquium zu einer Präsentation (unter Nutzung angemessener Medien) der schriftlichen Ausarbeitung von 1-3 ausbildungsbegleitenden Aufgabenstellungen

Hamburg: Schriftliche Arbeit im Bereich der Fachdidaktik oder der Allgemeinen Pädagogik/Didaktik bezog en auf Praxiserfahrung (15-20 S.)

Hessen: Pädagogische Facharbeit (Analyse und Lösungsvorschlag eines pädagogischen Problems); 20-40 Seiten (mit Anhang).

Mecklenburg-Vorpommern: Ja, im Umfang von maximal 20 Seiten

Niedersachsen: Keine Hausarbeit als Prüfungsbestandteil, schriftliche Arbeit in der Ausbildungsphase (Die Note der schriftlichen Arbeit fließt in die Ausbildungsnote mit ein, die wiederum in die Gesamtnote einbezogen wird.)

Nordrhein-Westfalen: Für jedes Fach wird zur Staatsprüfung eine "Schriftliche Arbeit" vorgelegt.

Rheinland-Pfalz: Keine schriftliche Hausarbeit, aber „Präsentation“ einer Unterrichtseinheit im Rahmen der mündlichen Teilprüfung eines Faches.

Saarland: Keine schriftliche Hausarbeit

Sachsen: Nein (begleitendes Portfolio)

Sachsen-Anhalt: Seit 2011 kein Prüfungsteil mehr; ausbildungsbegleitend anzufertigen (bei gleicher Niveauanforderung wie bisher)

Schleswig-Holstein: Ja, nach APVO als Ersatzleistung möglich: Zertifikatskurs „Deutsch als Zweitsprache“ mit abschließender Klausur.

Thüringen: Nein

Weiterführende Informationen (insbesondere Antragsunterlagen für die Schriftliche Hausarbeit) findest du auf der Seite deines Studienseminars und im entsprechenden Lehrerbildungsgesetz.