Studieren mit Kind - ein Erfahrungsbericht

Im Studium ein Kind zu bekommen, scheint vielen eine denkbar schlechte Idee zu sein – Ist es aber bei näherer Betrachtung nicht unbedingt. Im folgenden findet Ihr einen Erfahrungsbericht von einer Studentin aus Mannheim. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

Erfahrungsbericht von Vanessa Doth

Natürlich ist ein Studium auch ohne Nachwuchs schon anstrengend genug- zumindest, wenn man bestrebt ist, einen möglichst guten Abschluss zu machen und nicht in der komfortablen Situation ist, dass einem die guten Noten zugeflogen kommen. Und sicher, wenn man aus der Uni kommt und dann dein Sohn oder deine Tochter bespaßt werden will, dann muss das Lernen warten, bis die Kleinen im Bett sind. Und auch der Partner, wenn er denn da ist, sollte mit ein bisschen Zeit bedacht werden. Das hört sich nach viel Arbeit an und sicher, in der Klausurenphase ist es anstrengend. Aber seien wir mal ehrlich- wann sind Klausurenphasen denn bitte entspannt?

Und von meiner Warte aus hat ein Studium mit Kind mehr Vor- als Nachteile. Erstens haben Kinder einen entscheidenden Vorteil. Auch wenn du noch so sehr am Ende bist, du machst weiter, es gibt ja keine Alternative, denn man möchte ja, dass die Kleinen später stolz auf Mama und Papa sind. Und man läuft sicher nicht Gefahr, nur für die Uni zu leben. Die Freizeit ist zwar eher eine „Kinderzeit“, aber immerhin, man hat definitiv einen Ausgleich. Und – Achtung, da spricht die sentimentale Mutter- entschädigt einen das Lachen des eigenen Kindes für viele Strapazen und hilft auch angesichts des scheinbar nie endenden Berges an Arbeit nicht zu verzweifeln.

Zumindest in Mainz ist auch die Uni eher familienfreundlich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viel hilft, gleich zu Semesterbeginn mit den Dozenten über mögliche zusätzliche Fehltermine zu sprechen. Wenn man direkt Bescheid gibt, dass man Kinder hat, werden meistens ein oder zwei Tage mehr mit Attest auch entschuldigt, wenn man auch im Gegenzug manchmal den verpassten Stoff in Form einer schriftlichen Hausaufgabe nacharbeiten muss. (Das hört sich aber schlimmer an, als es ist. Erstens bekommt man genug Zeit und zweitens sind die Kommilitonen meistens richtig lieb und lassen einem die Mitschriften zukommen, mit deren Hilfe alles dann wirklich keine große Sache mehr ist.) Selbst als ich nach der Geburt ein paar Wochen gefehlt habe, habe ich von den Dozenten und den Kommilitonen nur Unterstützung bekommen und es wurde alles unternommen, damit ich die Kurse bestehen kann. Und auch die Fristen von Hausarbeiten habe ich schon verlängert bekommen. 

Auch wenn es um die Wahl der Kurse geht, lässt die Universität Studierende mit Kind nicht im Stich. Es gibt Fachbereiche, in denen man Kurse außerhalb der „normalen“ Kursanmeldung belegen kann, indem man sich an den zuständigen Fachbereichsleiter wendet. In anderen Fachbereichen meldet man sich ganz normal an, kann aber bei Problemen immer in die Sprechstunden der zuständigen Berater gehen und auch hier habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter ihr Möglichstes getan haben, dass ich die Kurse belegen konnte, die am besten passten. 

An der Uni kann man wirklich viel Unterstützung bekommen, man muss sich nur kümmern. Die Devise lautet hier: einfach mal nachfragen!

Generell ist das Studium sicher eine nicht unpraktische Zeit, um Kinder zu bekommen. Man kann seine Veranstaltungen ja flexibel wählen und hat so viel Zeit mit seinem Kind wie man möchte. Später einen solch flexiblen Arbeitgeber zu finden, scheint mir eher schwieriger zu sein.

An dieser Stelle muss man aber auf einen Punkt zu sprechen kommen, den man bedenken sollte: die Finanzierung. Studieren an sich ist schon teuer und Kinder sind es auch. Der Bafög-Betrag erhöht sich zwar ein  bisschen, wenn man Kinder hat, aber das hilft auch nichts, wenn man generell keines bekommt. Ich habe das Glück, dass mein Mann arbeitet und mich finanziert. Es erscheint mir sehr schwer mit Kind zu studieren, wenn man gar keine finanzielle Unterstützung hat, denn nebenbei zu arbeiten, macht es, was ich erlebt habe, unglaublich schwer.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Betreuung. Zur Betreuung auf dem Campus kann ich leider nichts sagen. Bei uns hat das erst die Oma und dann eine Tagesmutter gemacht. Ist man mit seinem Kind, im schlimmsten Fall ohne Partner, kann ich mir vorstellen, dass es unglaublich schwierig wird. Wenn aber die Familie unterstützend hinter einem steht und man auch die Möglichkeit hat, die Kleinen im Notfall mal „auszulagern“, sei es zum Lernen oder auch mal, um Zeit für sich oder mit dem Partner zu haben, dann klappt das. Auch wenn man vorher eher eine „Larifari-Einstellung“ hatte, mit Kind beginnt man sich zu ändern. Man macht einfach die Arbeit, die gemacht werden muss. Man organisiert und konzentriert sich darauf, eins nach dem anderen zu erledigen ohne zu überlegen, wie man sich am besten drücken kann. Mir persönlich hat mein Sohn geholfen, ein besserer Student zu werden. Meine Noten sind besser geworden und ich habe mich zum Organisationstalent gemausert. Natürlich gibt es Tage, an denen ich das Gefühl habe, ich ertrinke in Terminen und To-Do-Listen, aber im Großen und Ganzen ist mein Studium mit Kind prima. Ich habe das Rundum-Paket: ich habe das Studium, das mich geistig fordert und meine Familie, um derentwillen ich mich bemühe, der beste Mensch zu werden, der ich sein kann.  Ohne Kind hätte ich das sicher später im Referendariat lernen müssen, wie es ist, mit Stress umzugehen, aber jetzt bin ich zuversichtlich, ich habe ja schon Übung.

 

Mir persönlich hat mein Sohn geholfen, ein besserer Student zu werden.