Das Praxissemester

Die Kultusministerkonferenz hat durch ihre "Eckpunkte für die gegenseitige Anerkennung von Bachelor- und Masterabschlüssen in Studiengängen, mit denen die Bildungsvoraussetzungen für ein Lehramt vermittelt werden" ("Quedlinburger" Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 02.06.2005) festgelegt, dass "der Anteil der schulpraktischen Studien im Studium deutlich zu erhöhen ist und diese sowie die Bildungs- und Fachwissenschaften und deren Didaktik stärker miteinander zu vernetzen sind, um eine verbesserte Orientierung an den Erfordernissen des Lehrerberufs zu erreichen."

Grund für die Praxisphasen

Das heißt, dass man sich durch den Praxisbezug der schulpraktischen Studien, respektive des Praxissemesters, eine Eignungsabklärung der potentiellen Lehrkräfte erhofft, die vor allem durch die Unterstützung von (Selbst-) Reflexionsprozessen erfolgen soll. Darüber hinaus sollen im Rahmen der schulpraktischen Studien Beratungen zur Kompetenzentwicklung durch die an der Lehrerausbildung beteiligten Zuständigen dazu beitragen, dass die Studierenden optimal die Herausforderungen, die sie in der Schule erwarten, gerüstet sind. Laut Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.03.2013 "Empfehlungen zur Eignungsabklärung in der ersten Phase der Lehrerausbildung", "können den Studierenden spezifische Angebote zur Weiterentwicklung ihrer Stärken oder zur Beseitigung ihrer Schwächen unterbreitet werden."

Da der Quedlinburger Beschluss 2005 eher generell formuliert war und keine zeitlichen Bestimmungen vorgab, konkretisierte ihn die Kultusministerkonferenz im Jahr 2007 unter anderem zur Verbesserung der Mobilität innerhalb der Bundesländer. Diese einigten sich darauf, dass die Aufnahme in den Schuldienst eine mindestens anderthalbjährige schulpraktische Ausbildung voraussetzt, wobei der Vorbereitungsdienst eine Mindestdauer von einem Jahr beinhalten muss. 

Unterschiede in den verschiedenen Bundesländern

Den Ländern ist es dabei selbst überlassen, wie sie die schulpraktischen Studien während der ersten Phase ausgestalten. Sie sind dabei sowohl frei in der Form der Gestaltung, als auch in der Ausprägung und Zielsetzung. Dementsprechend variieren die Praxisphasen nach den Maßgaben und Richtlinien der einzelnen Bundesländer bezüglich der Stundenzahl, der Wochen- oder Leistungspunkte und der grundsätzlichen Konzeption. 

So differiert die zweite Phase innerhalb Deutschlands nicht nur konzeptionell, sondern auch hinsichtlich der Dauer von zwölf Monaten in Sachsen bis zu 24 Monaten in Bayern (in den meisten Bundesländern dauert der Vorbereitungsdienst 18 Monate). 

Auch bezüglich der ersten Phase gibt es bundesweit unterschiedliche Konzeptionen. So haben einige Bundesländer das sogenannte Praxissemester eingeführt, während andere an den traditionellen Praktika festhalten. Da die Universitäten autonom sind und selbst speziellen Regelungen bezüglich Schwerpunktsetzung und Organisation unterliegen, findet man im Rahmen der länderspezifischen Vorgaben zudem noch eine Vielzahl unterschiedlicher Formen schulpraktischer Studien, auch innerhalb eines Bundeslandes. So kann man nicht von DEM Praxissemester sprechen.  

Dennoch soll die folgende Zusammenstellung einen kleinen Überblick über die unterschiedlichen Praxissemester der Bundesländer geben, die das Praxissemester in einigen oder gar allen Lehrämtern eingeführt haben: 

Baden Württemberg
  • erstmalig WS 2015/2016
  • Dauer 12 Wochen
Berlin
  • erstmalig WS 2016/2017
  • 30 ECTS
Brandenburg
  • mind. 16 Wochen
Bremen
  • erstmalige Durchführung im SoSe 2015
Hamburg
  • 30 ECTS
  • Das Kernpraktikum erstreckt sich über zwei Semester
  • Die Studierenden (außer des Typs 5) erbringen im 2. und 3. Mastersemester jeweils 15 ECTS im Rahmen des Kernpraktikums
  • Während der Vorlesungszeit sind sie i. d. R. einen Tag in der Schule und in der vorlesungsfreien Zeit findet dann ein Praktikumsblock statt
  • Das Kernpraktikum ist je nach Lehramtstyp unterschiedlich ausgestaltet
Hessen
  • 30 ECTS
  • ein Semester
  • während der Probephase nur einzelne Lehrämter in Kassel, Frankfurt und Gießen
Niedersachen
  • 18 Wochen Praxisblock in der Schule zzgl. Vor- und Nachbereitung
Nordrhein-Westfalen
  • 5 Monate
Sachsen-Anhalt
  • 30 CP
Schleswig-Holstein
  • 30 LP
  • 10-14 Schulwochen im Masterstudium
Thüringen
  • 30 ECTS für ein komplexes Schulpraktikum
  • 30 ECTS Praxissemester

 

Auslandssemester

Einige Universitäten bieten das Praxissemester in Form eines Auslandssemesters an. Dadurch ist es möglich, seine interkulturellen Kompetenzen zu erweitern und weitere wertvolle Erfahrungen im Ausland zu sammeln, die über die Erfahrungen im deutschen System hinausgehen. Da es hierbei spezielle Anforderungen gibt, die unbedingt beachtet werden sollten, ist es empfehlenswert, sich bei Interesse diesbezüglich im Vorfeld genau beraten zu lassen.

Weitere Informationen
  • Kultusministerkonferenz (2007): Lösung von Anwendungsproblemen beim Quedlinburger Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 2.6.2005
  • Empfehlungen zur Eignungsabklärung in der ersten Phase der Lehrerausbildung
  • Konkrete Hinweise zu den Praxissemestern findest Du auch auf den Seiten der Kultusministerien bzw. der entsprechenden Universitäten.